Liebe FreundInnen und Freunde,
mit unserem Leitantrag zur heutigen MV wollen wir uns mit einem Thema beschäftigen und auseinandersetzen, von dem man annehmen müsste, dass es eigentlich in einer Stadt wie Leipzig kein Thema mehr sein sollte- mit dem Auwald. Mit einem Gebiet, dass Europaweit in seiner Art einmalig ist, dass Leipzig weit stärker prägt als die wirren Ideen von einem Logistikstandort oder eine Sportstadt. Und dennoch handelt es sich um ein Thema, dass mitunter ein Nischendasein fristet und wir stellen fest, dass der Auwald gefährdet ist.
Man sollte annehmen, dass es ein Bewusstsein dafür gibt, was dieses Stück Natur für die Stadt bedeutet. Verfolgt man die lebhaften Diskussionen und Proteste der Bürger der Stadt sobald im Frühjahr wieder Maßnahmen des Stadtforstes durchgeführt werden und Bäume entnommen werden, könnte man zum Schluss kommen, dass es dieses Bewusstsein auch in der Stadtverwaltung gibt.
Aber betrachtet man dann die andere Seite, die Seite der Stadtverwaltung und der bestehenden Verfahren, gerät man in Zweifel. Gerät man in Zweifel darüber, ob es begriffen wurde, welch Juwel in Leipzig existiert.
Und das betrifft nicht nur das Verfahren zum Thema RB Leipzig, welches uns Sorgen macht, dass betrifft auch die Art und Weise wie Probleme innerhalb der Stadtverwaltung kommuniziert werden.
Wenn der Umwelt- und Ordnungsbürgermeister Herr Rosenthal bei der Ansiedlung von RB Leipzig, äußert, dass hier eine einmalige Chance für die Sportstadt Leipzig liege, dann verwundert uns das nicht nur, dann verärgert uns das. Denn so wichtig und richtig wie Ansiedlungen für den Standort auch sein möge, so gehört doch Klarheit dazu zu erkennen, dass Leipzig keine Sportstadt mehr ist und eine Bebauung im Auwald im Mindestmaß gründlichste überprüft werden muss. Aber dazu erfolgten zunächst keine Äußerungen.
Und noch etwas verwundert uns an dieser Stelle, dass die Umweltverbände in Leipzig offenbar ein nicht allzu hohes Ansehen genießen.
Anders ist es nicht zu erklären, dass die Förderung der Umweltverbände marginal ist und die Verbände regelmäßig erst dann unterrichtet und einbezogen werden, wenn die Beschlüsse in der Stadtverwaltung schon gefasst wurden. Gerade aber das Beispiel Stuttgart 21 hat gelehrt, dass die formellen Beteiligungsverfahren eben nicht ausreichen um echte Beteiligung herzustellen und einen demokratischen Konsens zu erreichen. Und so verwundert es dann doch, wenn der Umweltbürgermeister auf einer Pressekonferenz konstatiert es wäre sinnvoller gewesen die Umweltverbände und Bürger frühzeitiger mit in das Verfahren (RB Leipzig) einzubinden. Denn die Forderungen genau dies zu tun, besteht nicht erst seit gestern.
Worum es uns aber eigentlich geht ist es, dass Thema wieder stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern und gemeinsam mit Bürgern und Verbänden in die Diskussion einzutreten, wie wir den Auwald zukünftig stärker schützen und entwickeln können.
Und dabei vertreten wir keinen umweltpolitischen Fundamentalismus.
Aber, und das ist der erste Punkt unseren Antrags, wir verstehen nicht, warum in Leipzig, einer Stadt die auch im innerstädtischen Bereich über ausreichend Brachflächen verfügt immer wieder Bauverfahren am oder im Auwald ausgeschrieben werden.
Und wir verstehen schon gar nicht warum, dann die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen nicht für den Schutz des Auwaldes eingesetzt werden.
Dass heißt wir legen hier einen Kriterienkatalog vor, welches die Bedingungen sind, nach denen überhaupt nur im Einzelfall überhaupt eine Bebauung möglich ist.
Aber an einer Stelle sagen wir es auch ganz deutlich, Straßenbauvorhaben im Auwald wird es mit uns nicht geben, darf es nicht geben. Wer immer noch Straßen bauen will um Verkehrsprobleme zu lösen, der hat nichts begriffen, der verschließt sich den seit mehr als 20 Jahren geführten Debatten.
Und auch beim Thema Hochwasserschutz vertreten wir eine andere Meinung. Vertreten wir eine dezidiert andere Meinung als der sächs. Umweltminister mit seinem Tornado Erlass und seine willfährigen Helfer der LTV.
Denn wenn jetzt aktuell mehr als 4500 Bäume im Auwald gefällt werden um einen technisch verstandenen Hochwasserschutz umzusetzen, dann ist das eine ökologische Katastrophe. Wenn damit argumentiert wird, dass 150 Jahre alte Eichen die Standsicherheit gefährden, dann wird deutlich, dass die Denkfähigkeit im Ministerium nicht nur gefährdet sondern offensichtlich schon irreparabel geschädigt ist.
Dass es auch anders gehen kann, beweisen Beispiele aus Brandenburg. Dort wird versucht Deiche zurückzusetzen und dem Hochwasser dort zu begegnen, wo es auftritt am Oberlauf der Flüsse.
Und ganz nebenbei haben wir mit dem Auwald ein natürliches Überschwemmungsgebiet. Deiche die nichts schützen, werden nicht gebraucht. Und wer im Überschwemmungsgebiet Bauflächen ausweißt und baut, der darf sich nicht wundern, wenn irgendwann erst der Keller und das restliche Haus volllaufen.
Wir sagen ja zum Tourismus, weil wir der Meinung sind, das der Mensch nur das bewahren kann über das er Kenntnis erlangt, dass er begreift. Aber wir sagen ganz klar nein zu einem Tourismus, der die Natur als Ware begreift, ausbeutet und letztlich zerstört. Und deswegen sagen wir auch, ja wir wollen und können uns Tourismus vorstellen, aber wer davon träumt, vom Cospudener See mit dem Motorboot quer durch den Auwald zu düsen, der hat nicht nur den Schuss nicht gehört, der hat auch nichts begriffen. Denn die Anziehungskraft des Auwaldes liegt maßgeblich auch darin begründet, dass er, obwohl jedes Jahr Eingriffe stattfinden und stattfinden müssen, an vielen Stellen Naturbelassen wirkt. Was wir daher brauchen ist ein naturnaher aber vor allen Dingen naturverträglicher Tourismus.
Und dabei sind wir durchaus der Meinung, dass gerade im touristischen Bereich noch unerschöpfte Potentiale liegen. Denn zu einer Kulturstadt Leipzig, gehört auch der Umgang mit ihren Kulturgütern, mit ihrem Schatz Auwald.
Posted via email from Jürgen Kasek